Vom Anlegen und Sparen

Gerüchten zufolge soll es Familien geben, die am Ende des Monats den einen oder anderen Taler übrig haben. 😉 Der folgende Beitrag versucht die Frage zu beantworten, was man nun am besten mit diesem Überschuss anstellt. Im Prinzip bieten sich nur drei ernsthafte Alternativen an: Sparen, Schulden tilgen, Anlegen. Da wir keine Piraten sind und davon ausgehen, das Rentenalter irgendwann zu erreichen, ist alles zu verprassen keine überlegungswürdige Alternative.

Sparen

Das überschüssige Geld auf einem Spar- bzw. Tagesgeldkonto, wo es vor der eigenen Gier sicher ist, zu parken, ist in zwei Fällen eine sinnvolle Möglichkeit. Erstens, wenn man als (junge) Familie einen Notgroschen aufbauen, d.h. eine Reserve ansparen will. Dieser Puffer ist für Notfälle geplant, der Klassiker wären hier die kaputte Waschmaschine oder eine größere Reparatur am Auto. Man hört unterschiedliche Empfehlungen dazu, wie groß dieser Notgroschen ausfallen soll. Eine Faustregel besagt, dass man drei Nettomonatsgehälter ansparen sollte. Das ist aber sehr ungenau. Bei manchen Familien wäre das Betrag von 6000 Euro, bei anderen 18.000 Euro. Bei letzterem kann schon von einer Reparatur am Auto keine Rede mehr sein, da befinden wir uns eher im Bereich eines Neuwagens. Der Notgroschen soll außerdem eine plötzliche Arbeitslosigkeit abfedern. Auch hier muss man differenzieren. Wer, wie ich, im öffentlichen Dienst tätig ist, für den ist plötzliche Arbeitslosigkeit eher kein Thema. Ich denke insgesamt, dass ein Betrag im Bereich von 10.000 Euro für die meisten Familien ein annehmbares und vernünftiges Ziel ist.

Neben dem Notgroschen gibt es noch einen zweiten Grund, warum Sparen sinnvoll sein kann. Nämlich dann, wenn ich auf etwas Konkretes hinspare. Ihr möchtet eine größere Reise als Familie antreten? Dann solltest ihr sparen! Ihr wollt unbedingt ein Haus kaufen? Dann spart ordentlich, damit ihr einen günstigeren Kredit bekommt!

Das klingt bisher alles recht banal, aber was ich sagen will, ist, dass Sparen nur aus diesen beiden Gründen wirklich legitim ist. Denn es gibt zwei Probleme, die gegen das ziellose Sparen sprechen: Ersten die Inflation, die dafür sorgt, dass euer Geld jedes Jahr an Wert verliert. Euer Erspartes wird also mit der Zeit aufgefressen. 10.000 Euro bleiben zwar 10.000 Euro, in zehn Jahren könnt ihr euch dafür aber weitaus weniger leisten als heute. Zweitens sollten auf keinem Bankkonto mehr als 100.000 Euro liegen, denn darüberhinaus greift die Einlagensicherung der Banken nicht mehr. Habt ihr 250.000 Euro auf dem Konto und die Bank geht pleite, was, wie wir alle wissen, ganz schnell gehen kann, dann ist unter Umständen ein Großteil des Geldes futsch.

Deshalb gilt aus meiner Sicht: Nur zielgerichtetes Sparen ist wirklich sinnvoll.

Schulden tilgen

Hiermit sind vor allem Schulden gemeint, die mit Zinsen verbunden sind. Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal einen Beitrag über das Thema Schulden schreiben, deshalb hier nur ganz kurz: Es ergibt keinen Sinn, Geld in ein Investment zu stecken, das einem jährlich eine Rendite (= Gewinn) von 4% liefert, wenn man gleichzeitig einen Kredit zurückzahlen muss, der einen jährlichen Zinssatz von 6% besitzt. Logisch eigentlich. Wenn ihr, wie wir, noch Studienkredite begleichen müsst und monatlich einen Überschuss erwirtschaftet, dann wäre es definitiv eine sinnvolle Entscheidung, die monatliche Tilgungsrate zu erhöhen oder eine Sondertilgung vorzunehmen, wenn dies möglich ist. Vorausgesetzt ihr habt euch bereits den oben genannten Notgroschen für den Fall der Fälle angespart. Der Kreditzins mag sich im monatlichen Budget nicht stark bemerkbar machen. Aber er ist einfach unnötig, wenn man das Geld doch hat, um den Kredit zügiger zu tilgen.

Anlegen

Kommen wir nun zum Anlegen. Dass die deutschen stiefmütterlich mit der Börse verfahren, ist ein alter Hut. Deutschland ist eine Nation der Sparer. Dabei geht aber leider eine Menge Potenzial verloren! Denn die rationale Geldanlage ist die einzige Möglichkeit, sein Geld vor der Inflation zu schützen und dabei noch Gewinn zu machen. Ich hatte zunächst auch Bedenken. Schließlich ist es ja nicht nur mein Geld, sondern auch das meiner Frau und der Kinder. Aber je mehr man sich mit der Materie beschäftigt, desto klarer wird doch: Aktien bzw. Aktienfonds sind die auf lange Sicht renditestärkste Anlageform. Da gibt es erstmal nichts mehr dran zu rütteln. Ich habe meine Zweifel durch Lektüre der einschlägigen Literatur letztlich überwunden, mittlerweile besparen sogar die die Kinder monatlichen einen Fonds. Ich kann und will hier gar keine großen Anleitungen geben, denn das Informationsangebot im Internet oder in Büchern ist groß genug und besser aufgearbeitet, als ich es je könnte. Ich empfehle aber folgende beiden Bücher und tue das gerne, ohne auch nur einen Cent dafür zu kriegen:

Gerd Kommer: Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen.

Albert Wernecke: Der Finanzwesir 2.0 – Was Sie über Vermögensaufbau wirklich wissen müssen.

Bitte in beiden Fällen nicht direkt von den etwas reißerischen und großkotzigen Titels abschrecken lassen. Beide Autoren verfolgen einen ähnlichen Ansatz, deshalb genügt es aus meiner Sicht, zunächst eines zu lesen. Gerd Kommer ist eher für diejenigen geeignet, die an trockenen wissenschaftlichen Daten interessiert sind, Albert Wernecke („Der Finanzwesir“) schreibt dafür unterhaltsamer und eher für den Allgemeinbürger. Beide Autoren haben zudem großartige Blogs am Laufen und haben meine Familie und mich in unseren Anlageentscheidungen nachhaltig geprägt.

Zusammenfassung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten für Familien (aber natürlich auch für Kinderlose) mit einem monatlichen Überschuss umzugehen, vorausgesetzt, dass dieser einigermaßen stabil ist und nicht nur ein seltener Glücksfall. In den meisten Fällen sollte die Reihenfolge aus rationaler Sicht lauten: Notgroschen ansparen, Schulden abbauen, Geld investieren, um es zu vermehren und vor der Inflation zu schützen. In manchen Fällen, wie bei uns, findet aber auch alles gleichzeitig statt, was dann legitim sein kann, wenn beispielsweise die Zinssätze der Kredite, die man zurückzahlt, sehr niedrig sind. Wichtig ist letztlich aus meiner Sicht, dass man als Familie irgendwann den Schritt weg vom Sparen hin zum Anlegen schafft, weil das ziellose Sparen schlichtweg keine rationale Entscheidung darstellt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: